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Der Sufismus

Das Wort Sufismus ist eine Sammelbezeichnung für eine mystische Richtung, die sich an den islamischen Koran anlehnt.

Der Sufismus wurde besonders durch Meister wie Rumi, Muhyiddin Ibn 'Arabi, al-Ghazzali, Fazlallah Astarabadi (Naimi) und Kabir bekannt.

Die Bezeichnung as-Sufi erscheint schon im achten Jahrhundert, da sich einige der damaligen Asketen  in Wollgewänder hüllten. Nach diesen wurden sie als Sufi (von suf 'Wolle') bezeichnet. Einige sufische Autoren wie al-Kalābādhī haben die Sufis sogar zu den sogenannten Ahl as-Suffa (Leute des Schattendachs) in Beziehung gesetzt.

Die Sufis selbst leiteten ihren Namen mehr von safa 'Reinheit' ab und sehen den Sufi als safi, den Gereinigten und  Erwählten. Dieser Reinigungsprozess wird auch als 'großer Djihad' bezeichnet. In diese  frühe Asketenwelt hielt dann das Element der freudvollen Gottesliebe durch die Mystikerin (Rabi´a( † 801) Einzug - vergleichbar mit einem hinduistischen Bhakti-Yoga. Selbst die Zahlenmystik hielt über die 'Ikhwan as-safe'(die lauteren Brüder von Basra) im Sufismus Einzug.

Die erste Sufi-Ordensgemeinschaft (Tariqa) soll im 12. Jahrhundert von ʿAbd al-Qādir al-Dschīlānī gegründet worden sein. Während noch im 19ten Jahrhundert etwa 10% der Türken den Bektaschi-Derwischen angehörten, sind diese dort heute praktisch erloschen. In Ägypten existieren heutzutage noch über 100 Sufiorden.

== Lehre ==

Die verschiedenen Schulen oder Tariqa (tariqah; Arabissch‎‎ ṭarīqah) lehren einen Pfad mit den vier Stufen shari’a (ässerer Pfad), tariqa (esoterischer Pfad), Haqīqah (mystische Wahrheit) and marifa (höchstes Wissen, unio mystica).

Die drei sufistischen Hauptideen sind  die Nafs (Selbst, Ego, Seeele oder Psyche mit drei Entwicklungsstufen), das Qalb (Herz) und das Ruh (Geist).

Die Meditationspraxis hat im Sufismus den Namen Muraqabam, das in drei Hauptstufen mit Unterstufen unterteilt ist, angefangen mit verschiedenfarbigen Lichtern. [1]

Das Endziel der Sufilehre ist die Erkenntnis des Göttlichen, das  Entwerden des Ichs und das Einswerden mit Gott bei Betonung der Liebe beziehungsweise der Gottesliebe.

Der Islam kennt hingegen nur Freunde Gottes. Die Kabbala lehrt ebenfalls, daß Einswerdung mit dem En-Soph nicht möglich sei, d.h. nur Stufe 18 des universellen Pfades. Der Gang  der Cheops - Pyramide endet hier allerdings ebenfalls.

Der Koran nennt sieben Weltenebenen. Der Sufismus unterscheidet etwas unterschiedlich bis zu sieben Stufen(Tanzalat-e-Satta)[1].

1. Hahut (göttliche Essenz)

2. Lahut (Das Göttliche)

3. Jabarut (Bereich der Macht)

4. Malakut (Bereich der Engel) - getrenntes Bewusstsein

5. Nasut (Bereich der Menschen) - parallel zur Sephiroth Malkhut.


Der  Sufismus kennt auch den Shabda oder Nada. 'Die Schöpfung kam durch Saut (Ton oder Wort) ins Dasein, und aus Saut (Saute Sumad; Saut-e-samad) ging alles Licht hervor'. (Shamas-i- Tabrez)

Der Große Name(Ism-I-Azam) ist das Wesen und das Leben aller Namen und Formen; seine offenbarte Form erhält die Schöpfung. Er ist das große Meer, von dem wir nur die Wellen sind. Der allein kann dies fassen, der unsere Wissenschaft gemeistert hat.(Abdul Razaq Kashi).

Andere arabische Bezeichnungen sind Bang-i-Ilahi (Ruf Gottes) und Nida-i-Asmani (himmlischer Ton).


Abdul Razaq Kashi

Zur Gottesverwirklichung bedient sich der Sufi verschiedener Praktiken wie Askese, Meditation (Dhikr  -  Gedenken an Gott bzw. Dhikrullah) bis zur Ekstase, Tanz(sema), Musik, zeitweiliges Eremitentum und dhikr(Gottgedenken).

Damit wird auch versucht, die Triebe der niederen Seele bzw. des dominierenden Ichs (an-nafs al-ammara) zu transformieren  zwecks Erlangung des reinen Ichs (an-nafs as-safiya) mit dem Hintergrund eines Einheitsglaubens an Gott (tawhid)  : Gott ist ein Einziger (Allahu ahad) und letztendlicher Einswerdung.

Um diesen Weg zu gehen wird ein unterweisender Meister (s heikh, pir - der sog. Scheich oder Murschid) als unumgänglich angesehen, während der sunnatreue Islam eine Vermittlerrolle zwischen Gott und dem Menschen absolut ablehnt und einige Sufis wie al-Halladsch(† 922) und den Hurufi - Gründer Asterabadi(† 1398) hinrichtete.

Daher hielt mancherorts eine Geheimsymbolik (Balaibalan - Sprache lebendig gemacht) voller Anspielungen in die Briefe der Sufimeister an die Schüler Einzug, die auch von Rumi und von Ibn Arabi gelehrt wurde..

Ibn Arabi schreibt in Kapitel 3 seines Fusus Al-Hikam : Man weiss besonders, daß wenn die Sprache der verschiedenen Shari'as über Allah spricht wie sie es tun, sprechen sie zu den gewöhnlichen Leuten im ersten Sinne, und zur Elite in jedem Sinn, welcher von den verschiedenen Aspekten des Ausdrucks in jeder Sprache verstanden werden kann, bei der Verwendung dieser Sprache.

Auch die Lyrik der Sufis ist voll von Symbolik und Verschlüsselungen, die es dem uneingeweihten Leser oft praktisch unmöglich machen, der wahren Sinn der Texte zu erkennen. Allerdings sieht der Sufismus viele Stellen des Koran als mit doppelter Bedeutung geschrieben an, warouf schon Al-Hadid Surah 57:12 hinweist. Hierzu zählen nicht nur die von Freiherr von Sebottendorf übermittelten Übungen der Bektaschi-Derwische.

== Rumi ==

Maulana Dschalaluddin Rumi wurde  1207 in Balkh (damaliges Persien, heute Afghanistan) geboren und starb am 17. Dezember 1273 in Konya in der Türkei. Er gilt für  viele als der größte mystische Poet aller Zeiten. Er gilt auch als Begründer der ehemals verbreiteten Mevlevi Bruderschaft.

Rumis Haupttexte sind Diwan (Diwan-e Schams-e Tabrizi - Der Diwan von Schams-e Tabrizi ; Schams-ad Din = Sonne des Glaubens; 35.000 Zeilen) sowie 'Mathnawi(Masnawi)' und 'Fihi ma fihi'.

== Ibn Arabi ==

Ibn Arabi  (1165–1240)  war ein andalusischer Sufi-Mystiker und Philosoph, der wegen seines überragenden Einflussses auch asch-schaich al-akbar (der größte Meister) genannt wird. Ibn Arabi trat besonders für religiöse Toleranz ein.

Seine Lehre von der wahdat al-wudschūd (Einheit zwischen  Schöpfer und  Schöpfung; Wudschūdiyya) geht von einer Art körperlicher Einheit zwischen Schöpfer und Schöpfung aus(ähnlich wie im Shivaismus). Die Wesen sind Aʿyān thābita, d.h. Archetypen oder Urbilder oder nicht-existente Objekte, die bereits in Gottes ewigem Ur-Wissen vorhanden sind.

Geheimlehre : Ibn Arabi schreibt in seinem 'Fusus al-Hikam' in Kapitel 3: Man weiß es besonders, wenn die Sprache der verschiedenen Scharia über Allah spricht : Sie sprechen mit dem einfachen Volk im ersten Sinne und mit der Elite in jedem Sinne was aus den verschiedenen Aspekten dieses Ausdrucks in jeder Sprache in der Sprache verstanden werden kann Verwendung dieser Sprache.

Andere Sufis gingen  hingegen  von einem Wadschibatul wudschūd  aus, d.h die 'Einheit mit Gott' wird hier als die Auflösung des eigenen Willens in Gottes Willen und damit der Aufgabe des eigenen Egos verbunden. Dazu  bedarf es einer großen Anstrengung(dschihad) als Kampf gegen das 'niedere Ego' (an-nafs al-ammara) des eigenen Inneren. (Hierauf bezieht sich in Wahrheit auch der Koran). Als höchste Stufe gilt Ibn Arabi das 'reine Ich' (an-nafs al-safiya).

Heute sind besonders die natürlich nicht spirituell verwirklichten Salafisten Gegner seiner Lehren. Im Islam gibt es nur awliyâ, die Freunde (Gottes), und niemand kann sich nach islamischen Glauben auf eine Stufe mit Allah, dem 'Heiligsten', stellen.

Höhere Stufen als die des  Schöpfergottes Allah kennt man hier nichts. Die simplifizierte islamische Offenbarung ist inhaltlich eher für noch unreife Anfänger geeignet. Stufen eines Pfades zu Allah sind hier  nicht bekannt. Ihn selber kennt man auch nicht aus eigener Erfahrung wie Henoch, daher spielt hier in den Führungsschichten auch eine Neiddiskussion und ein Machtkampf eine Rolle. Das Radhasoami, der kashmirische Shivaismus (Sadashiva) und daneben Alice Bailey kennen allerdings weitere  Entwicklungsstufen und lassen den Ishvara dann weit hinter sich.

== Kabir ==

Kabir (1440-1518) war ein indischer Mystiker, der in einer muslimischen Weberfamilie aufwuchs.

Er war Weber und wurde durch die konsequente Ächtung religiöser Abgrenzung, wie sie in der geistigen Elite der Moslems und der Hindus seiner Region weit verbreitet war, berühmt. Er stand aber sowohl dem hinduismus als auch dem Islam kritisch gegenüber, die er als durch Veden und Quran fehlgeleitet ansah. Er kritisierte besonders die  Einweihungsriten wie die heilige Schnur und die Beschneidung und lehnte auch das Kastensystem ab.

Kabir vertrat  das Ideal einer einigen Menschheit und eine monistische Philosophie von einem einzigen Ursprung aller Dinge und die liebevolle Demut gegenüber Gott.

In seine Lehre flossen Ideen aus dem Vedanta und dem hinduistischen Bhakti mit ein, ebenso aus dem Sufismus und der islamischen Mystik. Einige seiner Texte hielten in das Adi Granth Einzug.

Zur Gottesverwirklichung empfahl er das Mantra  Rāma Rāma.

In seinem  Hauptwerk  Bijak (oder Seedling) legt er die Idee des Einen Absoluten dar. Es ist als Gedichtssammlung aufgebaut, in der er Ideen von Brahman, Karma und Reinkarnation behandelt und daneben das Bhakti und die Vorstellungen der Sufis.

Literatur

Weblinks